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Kunst führt Menschen zusammen

  • 31. Aug. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Monika,


Kunst führt Menschen zusammen, Monika Krautscheid-Bosse führt Menschen zusammen, die Kunst von Monika führt uns heute zusammen hier in ihr Atelier in Neustadt an der Wied.


Es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie heute hier zum Offenen Atelier begrüßen zu dürfen.


Ein offenes Atelier zu eröffnen, bedeutet, einen Raum des Miteinanders zu öffnen. Kunstwerke befinden sich nicht einfach so im Raum; sie beginnen zu sprechen, sobald wir ihnen begegnen. Und sie entfalten ihre volle Wirkung, wenn Menschen sich gemeinsam auf sie einlassen, wenn wir ins Gespräch kommen – miteinander über die Werke und mit den Werken selbst.


Dieser Gedanke des Miteinanders ist mir in diesen Zeiten von Spaltungen, des oft nicht mehr Miteinander-Reden-Könnens und der fehlenden gemeinsamen Erlebnisse besonders wichtig.


Ich erinnere mich gut an ein Wegkreuz in meinem Heimatort Selbach an der Sieg, auf dem in lateinischer Schrift der Satz stand: „Congregavit nos in unum Christi amor.“ Ein Satz aus der Gründonnerstagsliturgie, der den Gedanken des Christentums ausdrückt: „Die Liebe Christi hat uns zusammengeführt.“


Ich möchte an diesem schönen September-Sonntag in kein Lamento über den Zustand des Glaubens und der Kirchen in unserem Land einstimmen. Heute ist mir nur der Gedanke wichtig, dass uns diese gemeinsamen Erlebnisse, die mit dem Glauben verbunden sind, Gottesdienste, Liturgie mit Farben, Formen und Zeremonien, Feste und Vereinsleben, nicht mehr prägen. Ich finde, das ist jenseits aller Glaubensfragen ein großer Verlust, dessen Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Leben wir von Jahr zu Jahr mehr spüren, bis hin zu den politischen Spaltungen, die wir, verstärkt noch durch die Corona-Erfahrung, jeden Tag erleben.


Und deswegen ist es so wichtig, dass uns die Kunst zusammenführen kann. Genau darin liegt ihre besondere Kraft: Sie führt Menschen zusammen. Menschen, die vielleicht unterschiedlicher Herkunft sind, verschiedene Sprachen sprechen, aus ganz verschiedenen Lebenswelten kommen – sie alle können sich in diesem Raum begegnen.


Kunst spricht eine universelle Sprache. Farben, Formen und Linien – ebenso wie Klänge oder Bewegungen – erreichen uns auf einer Ebene, die keine Übersetzung braucht. Sie berühren unser Innerstes, sie rufen Erinnerungen wach, sie lassen Gefühle anklingen, die uns allen vertraut sind: Freude, Trauer, Sehnsucht, Hoffnung. Darin liegt eine tiefe menschliche Gemeinsamkeit.


Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat es einmal so formuliert: „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“ Dieses Zitat erinnert uns daran, dass Kunst mehr ist als Dekoration – sie ist ein Lebenselixier. Sie schenkt uns Halt, Trost und Inspiration, gerade in einer Welt, die uns oft herausfordert.


Aber Kunst ist noch mehr: Sie ist auch ein Resonanzraum für Vielfalt. Denn jeder von uns bringt eigene Erfahrungen und Deutungen mit, wenn er oder sie auf ein Werk blickt. Diese Unterschiedlichkeit ist kein Hindernis – im Gegenteil: Sie ist Bereicherung, sie eröffnet neue Perspektiven.


Zugleich bietet die Kunst einen neutralen Ort – ein drittes Feld jenseits von Herkunft, Beruf oder Status. Hier in diesem Atelier begegnen wir uns nicht als Vertreter bestimmter Rollen, sondern einfach als Menschen, die sich auf einen Eindruck, auf ein Erlebnis einlassen. In diesem neutralen Raum, in diesem Atelier, kann Neues wachsen: Austausch, Dialog, vielleicht auch Freundschaft.


Und schließlich: Kunst stiftet Gespräch. Sie wirft Fragen auf, die wir allein nicht gestellt hätten. Sie eröffnet Horizonte, die wir im Alltag leicht übersehen. Und sie gibt uns Anlass, Themen zu berühren, die sonst vielleicht ungesagt blieben.


Heute dürfen wir diese Erfahrung gemeinsam machen, indem wir uns den Werken von Monika Krautscheid-Bosse zuwenden.


Liebe Monika, danke, dass Du uns Dein Atelier öffnest, Deine Kunst mit uns teilst und uns zu dieser gemeinsamen Erfahrung einlädst.

 



 
 

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